Lühnsdorf

Der Weihnachtsmarkt am Landhaus „Alte Schmiede“ war viele Jahre das einzige Ziel für meine Fahrten nach Lühnsdorf. Erst 2015 hat sich das geändert. In diesem Jahr lernte ich Lühnsdorf von einer neuen Seite kennen.

Der Zustand der Kirche, vor allem die nicht mehr vorhandene Standfestigkeit ihres Turmes, hatte die Lühnsdorfer aktiv werden lassen. Viele Monate arbeiten sie unermüdlich daran, die Kirche und ihr Umfeld Stück für Stück wieder instand zu setzen und in das dörfliche Leben zurück zu holen: Den Friedhof mit Friedhofshalle und Friedhofsmauer, das Kriegerdenkmal und das Nachtwächterhaus. Das Sockelmauerwerk der Kirche wurde innen geputzt und außen neu verfugt.

Aber nicht alles ist in Eigenleistung möglich. Auch in Lühnsdorf ist so ganz „Ohne Moos nichts los“. Der neugegründete Förderverein warb erfolgreich Fördermittel ein. Die Bauarbeiten in und an der Kirche sind abgeschlossen. Und bei der Abrechnung zeigte sich eine besondere Stärke der Lühnsdorfer: Sie blieben bei der Sanierung im Zeitrahmen und unterboten sogar die Kosten.

Das allein ist im Vergleich, vor allem mit Regierungsbauten, schon rekordverdächtig.

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

Das Dorf ist ein Ortsteil der Stadt Niemegk. Viele beklagen mangelnde oder sogar fehlende Kommunikation nach den erfolgten Gemeindezusammenschlüssen. In Lühnsdorf wird nicht geklagt, sondern gehandelt. Sie haben mit guten Argumenten einen Gemeindesprecher als Verbindung zwischen Stadt und Dorf eingefordert. Beide Seiten sind mit dieser Lösung zu frieden.

Der Flächennutzungsplan ist die formelle Entwicklungsgrundlage in der Kommune. Bei einer Fläche von 460 ha, 111 Einwohnern und einer relativ homogenen Dorfstruktur genügen informelle Instrumente um die weitere Entwicklung zu steuern.

Dazu trifft sich das DORF-AKTIV regelmäßig zu Ortsrundgängen und bespricht die notwendigen Vorhaben

  • was ist nötig,
  • was wird gebraucht,
  • wie und mit wem kann es umgesetzt werden.

Fakten

  • 123 Einwohner
  • erstmals  erwähnt im Jahr 1377
  • heute Gemeindeteil der amtsangehörigen Stadt Niemegk
  • gehört dem Amt Niemegk an.

Das größte Potential der Lühnsdorfer ist die Dorfgemeinschaft. Auf die wird bei allen Vorhaben gesetzt und für diese wird auch alles in Bewegung gesetzt. In welchem Dorf sind schon im Schnitt 90 % der Einwohner bei den Veranstaltungen dabei?

Weitere Potentiale sind im Dorf sind

  • das Landhaus „Alte Schmiede“,
  • die sanierte Kirche,
  • die Werdermühle.

Zurzeit macht man sich erneut Gedanken, um diese Potentiale noch weiter miteinander zu verknüpfen und zu entwickeln. Dabei hat man sowohl das Wohl des Eigentümers als auch das der Gemeinschaft im Blick.

Soziales Engagement und kulturelle Aktivitäten

Kirchen prägen längst nicht mehr nur das religiöse Leben in unseren Städten und Dörfern. Die Lühnsdorfer Kirche ist eine offene Kirche. Sie soll ein Raum für alle sein und somit barrierefrei im eigentlichen und im übertragenem Sinne. In den alten Gebäuden, in alten Fotos und Dokumenten und in den Erinnerungen sind Geschichten verborgen. Es geht um Freud und Leid, um Kriege, Brände, Bräuche, Hochzeiten und Taufen. Die Lühnsdorfer Geschichten wurden in einer Chronik mit dem Titel „Ein Dorf schreibt Geschichte“ gesammelt. So sollen aus der Kenntnis der Geschichte die Verbundenheit mit dem Dorf und das Engagement zum Erhalt wachsen. Wir müssen wissen woher wir kommen, die Geschichte bewahren und als Anker an die Jungen weitergeben.

Bei einem solchen Anspruch wundert es nicht, dass Kinder und Enkel wieder ins Dorf zurückkommen, wenn sie sich in der Welt umgesehen haben.

Mehr als 40 Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Erntedankfest mit Kaffee und Kuchen, der Adventsmarkt sowie Konzerte, Lesungen, Krippenspiel, Dorffest, Feuerwerk, Knutfest werden durchgeführt. Viele Veranstaltungen haben sich über den Ort hinaus zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Stadt und des Kreises etabliert.

Das Dorfleben in Lühnsdorf steht auf drei Säulen:

  • die Freiwillige Feuerwehr,
  • der Gemeindekirchenrat und der Förderverein,
  • das Landhaus „Alte Schmiede“ und die Werdermühle.

Eindrücke aus der Ortsbegehung "Unser Dorf hat Zukunft 2017" in Potsdam-Mittelmark

Vielleicht könnte jemand sagen, dass das nicht zusammenpasst. In Lühnsdorf passt es. Denn nicht Unternehmen und Vereine arbeiten zusammen, sondern die Men-schen in Ihnen. Es kommt auf die Menschen in den Vereinen und Unternehmen an.

Baugestaltung und Siedlungsentwicklung

Lühnsdorf wurde 1377 erstmals erwähnt. Das Dorf überstand alle Wirren der Zeit, sogar den 30-jährigen Krieg. Es ist ein Bauerndorf. Die Landwirtschaft prägt bis heute das Bild des Straßenangerdorfes.

In Lühnsdorf wird auf Innenentwicklung gesetzt- auf die Nutzung des Vorhandenen.

Bei der Erweiterung des Landhauses wurde sowohl Wert auf den Maßstab als auch auf die Verwendung der im Ort typischen Materialien gelegt. Der jetzt geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses bezieht das alte in das Konzept mit ein.

Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft

Lühnsdorf ist von Wiesen und Ackerflächen umgeben. Die großen Hausgärten hinter den Höfen bilden einen harmonischen Übergang in die Landschaft. Der Blick in die Weite ist einfach schön. Der Wert dieser Schönheit ist den Lühnsdorfern bewusst.

Die stärkere Einbindung des Dorfes und der Werdermühle ins Wegenetz für Wanderer und  Radfahrer ist deshalb ein weiteres Entwicklungsziel.

Der Straßenraum wirkt fast schon idyllisch ländlich. Die schmalen Flächen vor den Häusern brauchen keine Zäune. Sie sind begrünt, vor allem Stauden- und Strauch-pflanzungen. Nur wenige weichen von der im Dorf üblichen Gestaltung ab.

Eindrücke aus der Ortsbegehung "Unser Dorf hat Zukunft 2017" in Potsdam-Mittelmark

Gesamteindruck

LühnsdorfIn einem Dorf mit nur 111 Einwohnern kann man auf keinen verzichten. Deshalb kümmert man sich um einander, hält die Geschichte lebendig und hält die Verbindung zu denen, die zur Ausbildung das Dorf verlassen haben. Und einige kommen zurück. Vielleicht weil es hier etwas gibt, was man nicht kaufen kann:

Eine intakte Dorfgemeinschaft, die das Dorf lebendig hält und ihm so eine Zukunft gibt.

Aus der Laudatio von Christa Menz zum 10. Kreiswettbewerb 2017 „Unser Dorf hat Zukunft“ in Potsdam-Mittelmark

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